Hilfsprojekt für verwaiste Elefanten – Simbabwe
Der Tod einer Elefantenmutter ist oft das Todesurteil für ihr Kalb
Annabelle wurde im Juli 2015 zusammen mit ihren Artgenossen Matabele und Kukurukura im jungen Alter gerettet. Sie war gefangen genommen worden mit der Absicht, sie in einen ausländischen Zoo zu bringen – eine Praxis, die glücklicherweise inzwischen eingestellt wurde.
Aufgrund ihrer körperlichen Mängel lehnten die Zoos diese drei Elefanten jedoch ab. Was für ein Segen für die betroffenen Elefanten – jetzt haben diese Tiere eine zweite Chance auf ein Leben in freier Wildbahn.
Die Elefanten waren, nachdem sie von ihren Müttern getrennt worden waren, schwer traumatisiert und es war klar, dass sie einen langen Weg der Genesung vor sich hatten. Wir wurden von Zimbabwe National Parks and Wildlife (ZimParks) angesprochen, die der Meinung waren, dass sie bei Wild is Life die besten Chancen hätten, zu überleben und in die Freiheit zurückzukehren.
Ein schwerer Start
Annabelle fehlt ihr ganzer Schwanz und die Hälfte ihres Rüssels. Wir vermuten, dass dies aufgrund eines Angriffs von Löwen oder Hyänen geschah, als sie noch ein kleines Kalb war.

Vom ersten Tag an, an dem wir Annabelle begegneten, war uns klar, dass sie einen starken Charakter hat. Sie ist Fremden gegenüber misstrauisch und ihrer Herde gegenüber sehr loyal und verteidigt sie. Sie duldet kein schlechtes Benehmen von anderen Elefanten!
Angesichts der enormen Schäden an ihrem Rüssel waren wir jedoch sehr besorgt, dass sie in der Wildnis niemals überleben könnte.
Der Rüssel eines Elefanten enthält etwa 40.000 Muskeln und ist damit eines der vielseitigsten und komplexesten Körperteile im Tierreich. Zum Vergleich: Der gesamte menschliche Körper hat nur etwas über 600 Muskeln!
Als Verlängerung der Oberlippe und der Nase erfüllt der Rüssel im täglichen Leben eines Elefanten mehrere wichtige Funktionen. Dazu gehören:
- Atmung: Elefanten atmen nicht oft durch den Mund und benutzen ihren Rüssel beim Schwimmen wie einen Schnorchel.
- Riechen: Elefanten haben einen unglaublichen Geruchssinn – tatsächlich haben sie mehr Geruchsrezeptoren als jedes andere Säugetier. Sie können sogar Nahrung wittern, die kilometerweit entfernt ist.
- Berühren und Fühlen: Der Rüssel ist hochsensibel und wird zur sozialen Bindung und zur Untersuchung von Objekten verwendet.
- Greifen und Manipulieren von Gegenständen: Sie benutzen ihren Rüssel, um Futter aufzunehmen, Äste abzubrechen und sogar Werkzeuge wie Stöcke zu schwingen, um sich zu kratzen.
- Trinken und Versprühen von Wasser. Der Rüssel kann 8 bis 12 Liter Wasser aufnehmen, das der Elefant zum Trinken in sein Maul oder zur Kühlung über seinen Körper sprüht.
- Kommunikation: Elefanten drücken ihre Gefühle durch Rüsselgesten aus, z. B. heben sie ihn, um Neugier zu signalisieren, streicheln ein Kalb oder schlingen ihn um den Rüssel eines anderen Elefanten, um ihre Zuneigung zu zeigen.
- Verteidigung und Angriff: Mit dem Rüssel können sie stoßen, schlagen und sogar Gegenstände werfen.
- Staub- und Schlammbaden: Elefanten besprühen ihren Körper mit dem Rüssel mit Staub oder Schlamm, wodurch ein natürlicher Sonnenschutz und Insektenschutz entsteht.
Aufgrund seiner Komplexität verbringt ein Elefantenkalb Jahre damit, zu lernen, seinen Rüssel richtig zu kontrollieren. Elefantenkälber haben oft Schwierigkeiten mit der Koordination und man sieht sie auf urkomische Weise mit dem Rüssel herumwedeln – es ist wie ein eingebautes Spielzeug.
Wir bemerkten schnell, dass Annabelle Schwierigkeiten hatte, ihren beschädigten Rüssel zu benutzen. Sie konnte keine Gegenstände greifen, da sie keine „Finger“ am Ende ihres Rüssels hatte. Sie konnte keine große Menge Wasser aufnehmen. Sie war nicht in der Lage, Gräser aus der Steppe zu reißen. Sie konnte keine Insekten auf ihrem Hinterteil erschlagen. Sie konnte nicht viel Sand über ihren Körper werfen und sie konnte dringend benötigte Nährstoffe aus dem Boden nicht aufnehmen.
Kurz gesagt, ihr Leben schien ein ständiger Kampf zu sein.
Jetzt erst recht: Die Überwindung von Widrigkeiten
Zu unserem Erstaunen zeigte Annabelle jedoch schon in sehr jungen Jahren außergewöhnliche Lernfähigkeiten. Sie konnte eine Orange vorsichtig auf ihren Fuß manövrieren und dann ihren Fuß zum Mund heben, um sie zu essen. Ihr Gleichgewichtssinn war wirklich bemerkenswert – und ihr Appetit auf Orangen war unersättlich!

Annabelle lernte schließlich, einen Grasbüschel zu greifen und ihn mit einem Tritt zu zerreißen, bevor sie ihn in den Mund nahm. Für diese Fähigkeit benutzt sie immer ihren rechten Fuß.
Annabelle lernte schnell, ihren Rüssel als Waffe einzusetzen. Wenn sie mit einem von uns verärgert war, schlug sie nach oben, und man hatte am Ende eine blutige Nase. Dieser Rüssel hat es in sich.
Sie entwickelte auch ein einzigartiges System der Berührung und Kommunikation. Obwohl sie andere Elefanten in ihren visuellen Signalen kopierte, war sie nicht begeistert davon, wenn ein anderer Elefant ihren Rüssel umschlang. Sie fühlte sich dadurch verletzlich.
Sie hatte sicherlich das, was ich als eine gewisse Form von körperdysmorpher Störung bezeichnen würde – und war infolgedessen manchmal sehr wütend, und ungeduldig.
Eine Sache kann sie jedoch immer noch nicht: große Mengen an einer bestimmten Art von Würfeln in ihren Mund befördern. Eine Art Training. Deshalb steht jeden Morgen und jeden Abend eine Person des Pflegeteams von Panda Masuie mit Annabelle an der Barriere und trainiert. Für sie und das Pflegeteam ist dies oft eine schöne Zeit, in der sie eine enge Bindung aufbauen können, aber wehe, jemand, der Annabelle nicht kennt, nähert sich ihrem Futter – dann wird ihr Rüssel zu einer Waffe von nuklearem Ausmaß!
Mitgefühl und Führungsqualitäten
Annabelle zeigt enormes Mitgefühl für andere Elefanten, die ebenfalls behindert sind. Nehmen wir zum Beispiel Nora, die teilweise blind ist. Annabelle weicht nicht von ihrer Seite und führt Nora geduldig durch den Busch, wartet immer auf sie und lässt sie nie allein. Sie schlafen zusammen und sie fressen zusammen. Es ist eine wunderbare Beziehung gleichgesinnter Seelen.
Annabelle war auch besonders freundlich zu Moyo, einer anderen Elefantenkuh, die sich verletzt hatte. Aber, wie erwähnt, kann Annabelle auch unglaublich wild und beschützend sein, wenn es nötig ist.
Im Jahr 2018 wurden Annabelle und fünf weitere Elefanten in das Panda Masuie Forest Reserve umgesiedelt, was wir in der Form damals das erste Mal gemacht haben. Sie ist zwar nicht das älteste Mitglied der Herde, aber mit Sicherheit die Anführerin aller Elefanten in Panda Masuie.
Ein Symbol der Hoffnung für ihre Art
Auf eine Weise, die wir nie für möglich gehalten hätten, hat Annabelle zahlreiche Aufenthalte in der Wildnis verbracht, manchmal bis zu sechs Wochen lang, und mit in der Wildnis lebenden Elefanten interagiert, bevor sie ins Boma zurückkehrte. Ihr kraftvoller Charakter verkörpert den Geist der Elefanten.
Im Januar 2024 brachte sie ein Junges zur Welt. Da sie und andere Elefanten längere Zeit in der Wildnis gelebt hatten, gingen wir davon aus und hofften, dass einige der Weibchen selbst Kälber bekommen würden. Wir wussten jedoch erst in der Nacht, in der sie ein wunderschönes Kalb namens Summer zur Welt brachte, tatsächlich, dass sie schwanger war. Dies war das erste Mal, dass einer unserer geretteten Elefanten ein Kalb zur Welt brachte, und es war in der Tat ein Moment, in dem sich für uns ein Kreis schloss.
Annabelle als Mutter
Als Summer geboren wurde, hatte Annabelle in den ersten Tagen Schwierigkeiten, sie zu füttern. Das Panda Masuie-Team half ihr langsam und geduldig. Zunächst musste Annabelle manuell Kolostrum abgemolken werden, um Summer mit einer Flasche füttern zu können.
Schließlich nahm Summer die Flasche an und es ging ihr seitdem gut. Annabelle liebt ihr Baby, ist aber sehr froh, um eine Unterstützung bei der Kinderbetreuung, während sie selbst frisst.

Annabelle ist ein Beispiel für Hoffnung und Ausdauer. Sie hat in ihrem Leben schreckliche körperliche und emotionale Traumata überwunden. Trotzdem hat sie sich erholt und neue Fähigkeiten erlernt.
Wir alle verehren und respektieren Annabelle. Sie ist wild und liebevoll, stark und freundlich. Sie ist ein sehr wichtiges Mitglied der Herde und wird noch lange Zeit eine großartige Anführerin und eine unglaubliche Persönlichkeit sein.
Annabelle hat uns gelehrt, dass nicht alles verloren ist, wenn die Dinge düster und unmöglich aussehen. Wir können viel von Elefanten lernen.
Elefanten feiern
Was wäre, wenn sich die ganze Welt für 24 Stunden zusammenschließen würde, um Elefanten zu feiern? Schließen Sie sich in diesem Jahr am 15. April dem IFAW an und lassen Sie uns diese besondere Art ehren.
Ihre Spende hilft uns bei der Rettung von Elefanten und anderen Tieren in Not >>
Ähnliche Inhalte
Mit großer Unterstützung können wir Großes leisten. Bitte spenden Sie, um Tieren zu helfen.